Home Blog Beware of your comfort zone: 4 Tricks, wie wir unsere Komfortzone schützen

Beware of your comfort zone: 4 Tricks, wie wir unsere Komfortzone schützen

 

Meine Tochter ist gerade in dem Alter, in dem sie Bauklötze durch Löcher mit verschiedenen Formen steckt. Auf den ersten Blick machte sie das schon recht gut, steckte Klotz um Klotz zielsicher durch das Raster, drehte dann irgendwann den Eimer um, setzte den Deckel mit der Steckschablone wieder auf und weiter ging’s.

Wer genauer hinsah, bemerkte aber bald, dass sie eine ganz eigene Strategie hatte: Sie steckt gar nicht alle Bauklötze durch die jeweils passenden Löcher. Jeder Baustein, den sie in die Hand nahm, verschwand im selben, nämlich dem größten, runden Loch. Steine, die nicht dadurch passten, erkannte sie auf einen Blick und ließ sie einfach liegen. Gab man ihr einen komplizierteren Bauklotz in die Hand, schmiss sie diesen einfach zur Seite, ohne nach einem passenden Loch zu suchen.

Willkommen in der Komfortzone einer Anderthalbjährigen.

Und wir Erwachsenen? Bausteine sind keine Herausforderung mehr, egal welcher Form und Größe. Unsere Aufgaben sind in der Regel anspruchsvoller, und unsere Lösungen sind es auch. Unsere Strategien aber sind noch genau die selben wie die eines Kleinkindes: Wir machen es uns einfach und bleiben bei dem, was wir kennen. Dabei entwickeln wir sogar Strategien und Tricks, um bloß nicht abweichen zu müssen.

Komfortzonen Trick #1: Stillschweigende Selektion

Ob bewusst oder unbewusst suchen wir uns Aufgaben, bei denen wir schon wissen wie es geht. Wo wir das Setting kennen, das Problem schon mal so hatten oder einen Lösungsweg einschlagen können, den wir schon oft gegangen sind.

Das ist an sich nicht verwerflich. Wir müssen nicht das Rad neu erfinden und „aus Prinzip“ immer wieder alles anders machen. Es ist gut, sich auf seine Erfahrung berufen zu können! Und ja, es ist eine eigene Fähigkeit, intuitiv sofort die einfachsten Bausteine, die passenden Aufgaben zu identifizieren.

Aber wir sollten uns darüber bewusst sein, dass wir aussortieren und was wir aussortieren. Denn wenn wir immer alles genau so machen wie immer, vergeben wir die Chance, uns mit Neuem überhaupt auseinander zu setzen, dazu zu lernen und zu wachsen.

Komfortzonen-Trick #2: Lösungswege zementieren

Genauso, wie wir an bekannten Aufgaben festhalten, halten wir auch einmal erprobten Lösungswegen die Treue. Egal, wie umständlich sie sind. Egal, ob sie auf diese neue Herausforderung wirklich passen.

Wir sind bereit, Umwege zu gehen, weil es eben unsere bekannten Wege sind. Wir ignorieren Alternativen, weil wir doch „schon wissen wie es geht“. Und was nicht passt, wird so lange geschüttelt und gequetscht, bis es doch irgendwie passt. Hauptsache, wir müssen unsere ausgetretenen Pfade nicht verlassen und Neuland betreten.

Komfortzonen-Trick #3: Kopieren geht über studieren.

Was aber, wenn wir, aller Aufgaben-Selektion und dem Archiv der erprobten Lösungswege zum Trotz, dennoch neuen Aufgaben gegenüber stehen? Wir könnten uns hinsetzen. Überlegen, andere um Rat fragen, und dann selber Lösungen entwickeln. Wir können aber auch nach dem erstbesten Vorbild suchen und uns daran machen, es zu kopieren. Wenn ich nur alles genau so mache wie andere, dann wird schon nichts (oder zumindest weniger) schief gehen.

In der Startup-Szene nennt man das Copycat: Bewährte Geschäftsmodelle identifizieren und nachbauen. Früher in der Schule hieß das Abschreiben. Dass man dafür eine 6 bekam, hatte nicht nur moralische Gründe, sondern auch didaktische: Man lernt nämlich nichts dabei. Und wenn der Lehrer unbemerkt Varianten eingebaut hat, ist man völlig aufgeschmissen.

Komfortzonen-Trick #4: Sich drücken.

Und dann gibt es da noch diese lästigen kleinen Ablenkungen. Prokrastinieren, heißt das Fremdwort dazu: Sich mit anderen Dingen vor der eigentlichen Aufgabe drücken. Tätigkeiten unterbrechen, sobald es schwierig wird. Delegieren, verschieben, und hoffen dass es sich irgendwann von selbst erledigt.

Das klappt nur manchmal, meistens hat man dann eher einen Haufen von halbfertigen Sachen vor sich. Aber das ist dann eine andere Geschichte.

All diese Strategien sind menschlich, verständlich und zum Teil auch durchaus hilfreich. Würden wir Tag für Tag immer alles neu machen wollen und müssen, würden wir vor Unsicherheit in Panik verfallen und außerdem zu gar nichts mehr kommen.

Aber wir sollten es uns nicht zu gemütlich machen in unserer Komfortzone.

Die Komfortzone als Gefängnis

Auf Dauer hat die Komfortzone nämlich Folgen. Anfangs sind es nur Bequemlichkeit und ein wenig Unsicherheit, wegen der wir in unserer Komfortzone bleiben und unsere Routinen entwickeln. Doch je länger wir so verharren, umso größer wird die Angst vor dem Fremden da draußen und umso unüberwindbarer erscheint die Mauer.

Irgendwann wird dann noch die Routine zur Langeweile und die Langeweile zur Unzufriedenheit. Unzufriedenheit mit dem, was wir haben innerhalb unserer Komfortzone. Aber eben auch die große Angst vor dem, was außerhalb ist. Ein selbst gewähltes Dilemma, das umso größer ist, je tiefer wir uns in unsere Komfortzone zurück gezogen haben.

Deshalb gilt es zuallererst einmal, sich seiner Komfortzone bewusst zu werden. Zu bemerken, welche Aufgaben und Alternativen man ausblendet und liegen lässt, welche Umwege man geht, wann man sich an Vorlagen klammert und Vermeidungsstrategien entwickelt.

Dann davon abzuweichen, nur ein wenig, aber immer wieder und immer wieder neu, kostet dann gar nicht mehr so viel Überwindung.

 

Meine Tochter schafft es übrigens inzwischen, alle Steine durch das Steckraster zu versenken. Wir haben die anderen, eckigen und komplizierteren Steine natürlich nicht zur Seite geräumt, sondern ihr einfach ab und zu einen in die Hand gedrückt und das passende Loch gezeigt. Den Rest hat dann die kindliche Neugierde erledigt.

Nur wenn sie müde ist, greift sie wieder zielsicher zu den einfachsten Steinen. Aber das ist auch ihr gutes Recht.

 


Auch hier im Leanovate-Blog: Mit welchen Tricks man seine Komfortzone aufbrechen kann. Mehr….


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