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Was Agilität mit mir macht

„Du hast dich verändert“, höre ich von Freunden neuerdings. Gut, ich habe den Job gewechselt und – was die größte Veränderung ist – ich werde jetzt agil. Doch hat das Auswirkungen auf den Alltag? Ein Erfahrungsbericht der ersten agilen Wochen.

 

Es ist noch keine zwei Monate her, als ich in meiner ersten Scrum-Schulung sitze und lache. Ich lache, weil ich mich wiedererkenne. In all den Beispielen, woran die Durchgeplantheit des klassischen Projektmanagements üblicherweise so scheitert.

Agilität heißt, auch geistig beweglich zu sein. Ich bekomme das Gefühl, eine komplett neue Denkweise anzunehmen. Aber ist beweglich sein einfach? Agil zu werden, realisiere ich bereits nach fünf Minuten, ist mehr, als ein paar Wochen lang nach der täglichen Überwindung des inneren Schweinehundes auf den Crosstrainer zu steigen. Abnehmen passiert im Kopf. Und Agilität ist tatsächlich (r)eine Kopfsache.

Ich muss mich davon verabschieden, die Dinge zu genau zu planen. Sie immer abschließen und ständig perfekt haben zu wollen. Aber deswegen faul sein? Nein, im Gegenteil. Agilität bedeutet, durch sich wiederholende iterative Kreise immer wieder ein funktionierendes Produkt zu liefern und aus dem Feedback zu lernen. Kontinuierliche Verbesserung. Und die bezieht mich selbst mit ein.

Am Abend nach der Schulung sacke ich müde ins Bett. Im Kopf quasi Muskelkater wie nach einem Fitnesstraining. Aber irgendwie glücklich. Vielleicht die Euphorie des Neuen?

Zwei Wochen später besuche ich die Kanban-Schulung. Einen Tag danach stehe ich morgens um 9 Uhr im Büro und bastele mir an der Wand mein erstes Board zurecht. Ich räume meine Zettelwirtschaft auf, schreibe gefühlte 375 Post-Its. Ich weiß jetzt, dass Haftnotizen ans Board kleben mindestens genauso glücklich macht, wie To-Do-Listen durchstreichen.

Irgendein Montagmorgen, ein paar Tage später. Manchmal falle ich zurück in alte Muster. Ich überlege, wen ich frage, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Doch immer häufiger taucht mein agiles Engelchen im Kopf auf und sagt „dit kannste ooch alleene lösen! Probier’t doch ma aus!“. Meistens stimmt das und ich habe etwas gelernt – nicht zuletzt über mich selbst. Das Gefühl danach: unbezahlbar.

Auch in meinem alten Job fühlte ich mich nach einigen Jahren Berufserfahrung sicher genug, mehr Verantwortung übernehmen zu wollen. In wasserfallgetriebenen Konzernen gestaltet sich das jedoch meist schleppend. Hierarchieebenen müssen überwunden werden, was häufig so anstrengend ist, wie eine Himalaya-Besteigung. An ein gewisses Maß an Kontrolle hatte ich mich längst gewöhnt, ich kannte es nicht anders. Wie ein Tier im Zoo, welches über einen Baum im Freigehege schon glücklich ist. Und doch bleibt die Sehnsucht nach mehr Vertrauen, nach eigenständigem Arbeiten, nach weniger Barrieren.

Nun stehe ich in der Freiheit ohne Gehege und traue mich manchmal nicht so weit voran, wie ich könnte. Aber zurück? Auf keinen Fall! Nach nur sieben Wochen Agilität bin ich jemand anderes geworden. Ich bin selbstbewusster, stehe für das ein, was ich tue und bin dabei offen für Feedback. Klingt selbstverständlich – ist es im Berufsalltag aber vielerorts nicht. Man lebt. Und man lebt sich aus. Und das bringt einen sehr viel weiter. Das merken auch die Freunde. Offener, gelassener, interessierter, sagen sie. Könnte sein, merke ich, als ich einem Freund erkläre, dass er seine Aufgaben doch mit möglichst gleichmäßigem Durchsatz erledigen solle. Ich zögere nur kurz und erkläre ihm dann Kanban. Dass es um seinen alltäglichen Haushalt geht, ist dabei egal. Meine Agilität dort schon längst angekommen.

 


Susanne ist seit Juni bei Leanovate und bei uns für den Bereich Marketing zuständig. Aus einem klassisch hierarchischen Unternehmen kommend, hatte sie sich schon häufiger gedacht, dass Arbeit doch auch anders gehen müsse – und in der Agilität nun die Antwort gefunden.


 

 

 

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