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Die Kunst der Entscheidung: Aber wie?

It’s just a decision. Just a decision?

Meetingformate für Entscheidungen gibt es ja einige, für viele wirkt ein einfaches Lean Coffee (hier lest ihr, wie das funktioniert) oft Wunder. Doch was kommt dann? Wir haben diskutiert, Lösungsmöglichkeiten erörtert und müssen nun nur noch in der Gruppe entscheiden. NUR entscheiden?

Häufig herrschen hier völlig unterschiedliche Auffassungen darüber, wie eine Entscheidung gefällt wird. Implizit haben wir aber dennoch meist schon irgendeine Entscheidungsform im Kopf. „Das machen wir doch demokratisch, der Vorschlag mit den meisten Stimmen wird’s!“, hören wir häufig. Aber was sind die meisten? Absolute Mehrheit? Relative Mehrheit? Das Ganze ist nicht nur im Bundestag manchmal nicht so einfach. Und was machen wir mit der unzufriedenen größeren Hälfte?

Entscheidungsformen explizit machen

Das wiederum ist ganz einfach: explizit machen, wie wir gemeinsam zu der Entscheidung kommen wollen, dauert nicht lang – aber erleichtert die Entscheidungsfindung ungemein.

Hier ein Überblick:

Konsens: Alle sagen ja.

Bei Entscheidungen im Konsens sind alle Gruppenmitglieder einverstanden. Diese Entscheidungsform ist am ehesten bei Entscheidungen mit nur zwei Optionen zu empfehlen: Machen wir das oder sollen wir es sein lassen? Vielfach missverstanden oder aus dem Englischen falsch übersetzt, ist das keine Mehrheitsentscheidung, denn weder Gegenstimmen noch Enthaltungen sind erlaubt. Das heißt also alle tragen diese Entscheidung im Konsens mit einem eindeutigen „ja“ mit.

Konsent: Keiner sagt nein.

Auch diese Form ist für ja/nein-Entscheidungen gut geeignet. Der Konsent hat seinen Ursprung in der Soziokratie. Und kann die Entscheidungsfindung deutlich beschleunigen. Es geht hier nämlich um die Frage, welche Einwände es gibt. Und weniger darum, wer alles dafür ist. Denn so kann an der zur Diskussion stehenden Lösung noch gefeilt werden. Dass danach dennoch nicht immer alle mit einer Entscheidung super happy und einverstanden sind, versteht sich von selbst. Müssen sie auch nicht. Denn wenn sie kein Veto einlegen, dann werden ihre Bedenken aufgenommen und am besten schriftlich festgehalten. Damit die Gruppe aber vorankommen kann, wird die Entscheidung getroffen, so lange niemand ausdrücklich dagegen ist. Enthaltungen sind bei dieser Entscheidungsform ausdrücklich erlaubt. Bei einer einzigen Gegenstimme aber kann die Entscheidung nicht getroffen werden.

Absolute Mehrheit

Kommen wir zu Entscheidungsformen für eine größere Auswahl an zur Wahl stehenden Optionen. Bei einer Entscheidung mit absoluter Mehrheit vereint ein Vorschlag mehr als 50 % der – und das ist das wichtige – möglichen (!) Stimmen auf sich. D.h. egal wie viele Mitglieder der Gruppe vielleicht gerade bei der Abstimmung abwesend sind, sich enthalten oder dagegen stimmen, muss ein Vorschlag über die Hälfte aller theoretisch Stimmberechtigen auf sich vereinen.

Relative Mehrheit

Die Option mit den meisten Stimmen gewinnt. Das ist ganz einfach. Stimmenthaltungen bleiben hierbei ohne Wirkung. Heißt also auch, dass wir eigentlich kein besonders umfassendes Stimmungsbild bekommen. Denn wenn sich viele Gruppenmitglieder enthalten und sich auf – mal angenommen – die drei restlichen Vorschläge fast gleich viel Stimmen verteilen, so kann ein Vorschlag mit nur einer Stimme Vorsprung durchaus gewinnen. Ob die ganze Gruppe aber damit langfristig glücklich wird, ist fraglich.

Autoritäre Entscheidung

Bei einer autoritären Entscheidung trifft eine Person aufgrund seiner Expertise (oder im schlechteren Falle nur aufgrund seiner Rolle) die Entscheidung alleine und verkündet diese lediglich an die Gruppe.

Konsultativer Einzelentscheid

Hierbei berät sich die Person vorab mit dem Team und lässt sich die Einschätzungen der einzelnen Teammitglieder mitteilen. Nach sorgfältiger Abwägung fällt diese Person dann aber alleine die Entscheidung.

Systemischen Konsensieren

Diese Form der Entscheidungsfindung erfragt nicht die Zustimmung, sondern das Ausmaß der Ablehnung. Wie funktioniert das? Für die zur Auswahl stehenden Vorschläge vergibt jedes Gruppenmitglied sogenannte Widerstandspunkte. Null Punkte bedeutet „Kein Widerstand“ bzw. „diese Lösung kann ich voll und ganz mittragen“. Die höchste zu vergebende Punktezahl ist zehn und bedeutet „starker Widerstand“ bzw. „ich lehne diesen Vorschlag entschieden ab“. Man kann diese Bewertung ganz einfach in einer Matrix notieren und dann addieren. Die Option mit der niedrigsten Punktzahl „hat gewonnen“. Um Unmut derer, die den Vorschlag komplett ablehnen, abzufangen, kann man auch Vorschläge, die – wenn auch nur einmal – mit einer 10 bewertet wurden, komplett aus der Entscheidungsfindung herausnehmen. So tragen konsensnah alle die Entscheidung mit, wenngleich mit abgestufter Zustimmung.

Probiert das doch einfach mal aus!

Viele Möglichkeiten.

Huch, da müssen wir ja schon wieder entscheiden. Nämlich wie wir entscheiden. Verwirrend? Nein. Denn wir haben dafür ein ganz einfaches Mittel gefunden. Frag Olga.

Dieses Plakat hängt in unserer Küche bei Leanovate. Übersichtlich sind hier alle sieben Formen der Entscheidungsfindung noch einmal dargestellt (ja wir hatten Spaß an der Bikablo-Schulung).

Wie funktioniert das nun im Alltag?

Jeder, der eine Entscheidung in die Gruppe trägt, überlegt sich vorher, in welchem Entscheidungsformat diese Entscheidung gefällt werden soll. Ja genau, das legt er einfach fest. Damit dann entschieden werden kann, was wirklich wichtig ist.

Fragen, wie ihr besser entscheiden könnt? Schreib uns!

 

 

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