18. März 2019

Führung. Management oder Leadership?

Susanne Walter

Was wie Buzzword-Bingo klingt, ist häufig eine Frage der Definition.

 

#NewWork #NeueFührung #Leadership

Das lesen wir häufig unter Twitterposts zum Thema sogenannter „Neuer Arbeit“. Doch wie sieht sie dann wirklich aus, diese neue Führung? Das Gegenteil von Selbstorganisation? Ist Führung nicht eigentlich out und alle wollen selbst entscheiden? Oder gibt es Situationen, in denen Mitarbeiter durchaus Führung wollen? Ja, wollen! Richtig gelesen. Denn im Leadership geht es nicht um Vorschriften, wohl aber um Führung. Was das ist – unser Erklärungsansatz im Buzzword-Dschungel.

 

Manager. In landläufiger Vorstellung allzu oft anzugtragende, gutverdienende Bosse, von denen keiner so richtig weiß, was sie eigentlich tun. In der agilen Welt scheint der Begriff gerne vermieden zu werden, erinnert er doch an hierarchisch strukturierte Unternehmen mit Wasserfall-Projekten. Doch stattdessen einfach den positiver konnotierten Begriff Leadership einsetzen und damit ist die Arbeitswelt dann neu, agil und herrlich selbstorganisiert? Wir machen uns zunächst auf Spurensuche der Begrifflichkeiten.

 

Vom Subtext zur Bedeutung

 

To manage bedeutet wörtlich übersetzt verwalten. Heißt also irgendwie Dinge zu organisieren. Abläufe, Prozesse…Mitarbeiter? Ja, auch in einem agilen Unternehmen gibt es entgegen einiger landläufiger Vorurteile durchaus Prozesse. Doch geht es hier neben allerlei administrativen Aufgaben auch noch um die Menschen? Conduct wird mir auf der weiteren Suche als Alternative vorgeschlagen. Der Manager als Dirigent, ein Unternehmen oder Team als Orchester. Ist dieses Bild sinnvoll? Als alternative Bedeutung von to manage taucht etwas weiter unten das Wort control auf. Kommt daher die Verbindung des Wortes Manager mit einer command & control gesteuerten Führung?

 

„Managing the system, not the people.“

 

Management 3.0 bringt es damit auf den Punkt und führt uns zu einer These. Ein Manager ist nämlich mehr als ein Kontrolletti, der gemeinsame Sache mit der Buchhaltung macht. Es geht um den Weitblick, das Führen einer Organisation. Der Manager steuert also die Organisation und kontrolliert, ob Ziele erreicht wurden, wie das Angebot zur Marktsituation passt und so weiter. Es braucht also Systemverständnis und Verantwortungsbewusstsein. Eben Führungsqualitäten. Jedoch für die Organisation als System – nicht unbedingt in direkter Form für die Menschen. Doch indirekt – was heißt das?

 

Führung – warum brauchen wir das eigentlich? Kleiner Exkurs.

 

Doch warum braucht ein Team eigentlich Führung? Führung bedeutet, es geht vorwärts und das geht nur, wenn es Entscheidungen gibt. Das Gegenteil von Stillstand. Führung ermöglicht, dass Entscheidungen getroffen werden. Das heißt nicht, dass gute Führung automatisch bedeutet, die Entscheidungen auch zu treffen, sondern die Möglichkeiten zu schaffen, dass gute Entscheidungen getroffen werden können. Wer das tut ist damit erst einmal zweitrangig. Das kann eine Führungskraft sein, kann aber auch das Team selbst sein. Jeder kann diese Verantwortung übernehmen und dieses Mandat entsteht eben nicht durch die Hierarchie, wenn es um neuere Führung geht.

Wenn wir dieser These mal weiter folgen, dann kann sowohl Management als auch Leadership in gewissem Sinne Führung sein. Management hat im besten Falle die Fakten, das Wissen und die Erfahrung, um die, die entscheiden, damit zu versorgen – den inahltlichen Rahmen zu geben. Leadership aber bedeutet noch ein wenig mehr:

 

„Management ist Führung aber nicht Leadership.“

 

So bringt es Franz-Peter Staudt in seinem Artikel „Management ist mehr als verwalten und Leadership ist nicht Führen“ auf den Punkt.

Und damit kommen wir zu Leadership. Die wörtlich übersetzte Führung hat eher den Touch des Unterstützens. Ein Leader fördert seine Mitarbeiter so, dass sie die bestmögliche Leistung erbringen können. Das hat einen komplett anderen Aufbau der Organisation zu Folge. Es geht nicht mehr um oben und unten, sondern vielmehr um laterale Unterstützung einzelner Teams und die Organisation dieser als Gesamtheit. So autonom wie möglich, so geführt, wie nötig, könnte man auf die Packungsbeilage zu einer Organisation mit gutem Leadership schreiben.

Es braucht jemanden, der die Vision zunächst einmal entwirft, sie mit allen gemeinsam immer wieder erneuert, hinterfragt und schaut, ob alle noch an Bord sind und das gleiche Ziel vor Augen haben. Alignment sagen viele dazu inzwischen kürzer und neudeutsch. Wenn wir alle auf demselben Weg sind, dann können wir diesen nach unseren individuellen Stärken gestalten und haben ein Leadership, das uns darin bestärkt.

 

Leadership geht uns alle an

 

Doch ist Leadership nur ein einsamer Vorreiter? Wir würden sagen: nein. Führungsaufgaben können je nach Erfahrung und Aufgaben natürlich von mehreren Personen übernommen werden. Leadership ist nicht nur eine Person, sondern es geht um geteilte Aufgaben. Führungsaufgaben werden verteilt und somit auch die Verantwortung. Und das bringt eine Organisation nach vorne!

Leadership ist daher auch nicht auf die Position im Unternehmen beschränkt. Leadership-Qulitäten können für uns alle hilfreich sein und in unterschiedlichen Situationen die Menschen in unserer Umgebung positiv beeinflussen. Ob als Mentor, Coach oder wie Peter Drucker in seinem Buch “The Leader of the Future“ schreibt:

Leadership is not rank, privileges, titles, or money. It is responsibility.”

 

Leadership als Rahmen

 

Dennoch setzt Leadership durchaus auch mal Grenzen. Es bietet allen in einer Organisation einen Grundrahmen, in dem jeder sich frei entfalten und Dinge tun kann. Selbstorganisiert. Aber der sichere Rahmen ist eben da, um einen geschützten Raum (und damit die Grundlage) für’s Ausprobieren zu schaffen. Diesen Rahmen fordern die Mitarbeiter unserer Erfahrung nach auch ein. Eine Ausgewogenheit zwischen dem Festlegen eines Rahmens und Zulassen von Selbstorganisation und damit das Abgeben von Verantwortung – das ist die Kunst des Leaderships.

 

Ein gutes Team

 

Ein guter Leader muss nicht unbedingt ein guter Manager sein (und andersherum). Problematisch wird es, wenn er versucht, gleichzeitig das gesamte Unternehmen zu managen und damit die emotionale Funktion, die er für die Mitarbeiter hat, selbst zunichte macht – mit Kontrolle und aktivem Interferieren im Tageschgeschäft.

Doch das hat nichts damit zu tun, den Manager von oben herab zu betrachten und dessen Abschaffung zu fordern. Kotter formuliert es in seinem Buch „Leading Change“ folgendermaßen: „ Einige Wirtschaftsfuturisten schreiben so, als würde Management, wie wir es heute kennen, im 21. Jahrhundert von der Bildfläche verschwunden sein. Jeder Mensch von Bedeutung wird zum Visionär und Inspirator. Die langweiligen Leute, die sich nur darum kümmern, ob die Planziele erreicht werden, braucht man nicht länger. Dies ist jedoch unrealistisch.“ Wie er zu Recht ausführt, brauchen wir weiterhin Menschen, die sich darum kümmern, Erfolge zu überprüfen, das Managen auf allen Ebenen zu implementieren und Entscheidungen zu fällen. Management hat eben nichts mit Hierarchie zu tun, sondern mit einer Fähigkeit. Ebenso wie Leadership eine – nur eben etwas andere – Fähigkeit ist.

Denn Leadership und Management sind verschiedene Rollen – mit unterschiedlichen Voraussetzungen, Aufgaben und Verantwortungsbereichen. Doch vielleicht sollte das eben nicht in einer Person vereint werden und hierarchisch getrieben sein, sondern jeder sollte die Verantwortung für seinen Bereich übernehmen. Und verteilte Verantwortung gilt es im Zuge von #NeueFührung und #NewWork anzustreben.

It’s time to #Change. Oder wie seht ihr das? Wir sind gespannt auf eure Sichtweisen auf das Thema!

 

Susanne Walter
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