3. Juli 2020

Keine Angst vor Innovation! Let’s change!

Thorsten Faltis

Zugegeben, die nachfolgende Story ist schon ein wenig verstaubt, hat aber an Aktualität nichts verloren - leider, wie einige Unternehmen bereits bitter erfahren haben und das ein oder andere Unternehmen noch erfahren wird, wenn es nicht rechtzeitig auf den Knopf drückt.

 

You press the button, we do the rest!
(George Eastman)

Wie alles begann.

Zentrale Figur dieser Story ist George. George wurde im Juli des Jahres 1854 in einem kleinen Ort namens Waterville im Bundesstaat New York als jüngstes von drei Kindern geboren. Sein Vater starb, als er acht Jahre alt war. Fortan musste seine Familie ohne ihr Familienoberhaupt für den Broterwerb sorgen. Vor dem Hintergrund damit einhergehender finanzieller Probleme brach George notgedrungen im Alter von 14 Jahren die Schule ab. Er schlug sich zunächst als Botenjunge durch und ließ sich parallel zu seinem Job zum Buchhalter ausbilden, um besser bezahlte Jobs in der Bankenbranche annehmen zu können.

An dieser Stelle möchte ich, als kleine Randnotiz, nicht unerwähnt lassen, dass 10 Jahre zuvor die Bankpleite der „Ohio Life Insurance Company“ eine Weltwirtschaftskrise auslöste, die niemand auf dem Schirm hatte und sich 150 Jahre später, in einem ähnlich katastrophalen Ausmaß, wiederholen sollte.

George hatte eine Vision.

Getrieben von der Idee, in Zeiten, in denen Fotografen für den Transport ihres Equipments noch Packesel benötigten, die Fotografie für Jedermann erlebbar zu machen, experimentierte er an entsprechenden technischen Problemlösungen - und das mit durchschlagendem Erfolg, wie sich alsbald zeigen sollte. Goerge gelang es nämlich tatsächlich, eine lichtempfindliche Beschichtung zu entwickeln, die es Fotografen ermöglichte, fertige Platten mit konstanter Lichtempfindlichkeit verwenden zu können. Die "Trockenplatte" war geboren und der Packesel, welcher als Transportmittel für Aufnahmegerät, Stativ und Entwicklungslabor herhalten musste, wurde obsolet.

Natürlich forschten und entwickelten auch Andere an Trockenplatten, doch seine Variante war die Beste - und so gründete er 1881 die "Eastman Dry Plate Company".

George wollte eine Marke sein.

Er wollte zudem, dass die Fotografie nicht ausschließlich professionellen Fotografen und gut Betuchten vorbehalten bleiben sollte. Nein, er wollte eine unverwechselbare Marke schaffen, die mit erschwinglichen Produkten alle Menschen mit der Fotografie verbinden sollte. So entwickelte er gemeinsam mit William H. Walker, als Alternative zur Trockenplatte, einen Rollfilm und lieferte kurze Zeit später gleich eine handliche und anwenderfreundliche Kamera mit dem Namen „Box“ dazu. Mit dieser legte er nun den Grundstein für ein völlig neues Konzept, welches er mit einem unmissverständlichen Slogan zum Ausdruck ausbrachte: „You press the button, we do the rest“ - womit nichts Anderes gemeint war, als die Trennung von Tätigkeiten. Der Fotograf drückt auf den Knopf, die Profis entwickeln den Film. Damit leitete George nicht nur die Geburtsstunde der Amateur- und Schnappschussfotografie ein, sondern erfand zudem die Foto-Finishing-Branche. Respekt George, well done.

Aber dem nicht genug, George setzte noch Einen drauf. Die „Box“ war zwar schon dicht am Kunden dran, aber mit einem Preis von 25 US-Dollar noch nicht dicht genug, wie er fand. So folgte, was folgen musste: die „Brownie No.1“, eine abgespeckte Version des Erfolgsmodells „Box“, und das für nur einen US-Dollar.  Das Fotografieren wurde von nun an ein Freizeitspaß für Jedermann. Thank you George, das hätten Steve, Bill und Co. wahrscheinlich nicht besser hinbekommen!

Wie alles endete.

Bitter, sehr bitter. George blieb aber glücklicherweise das Desaster, in welches sein einstiges „Start Up“ schlittern sollte, erspart. Er verstarb lange vor der Insolvenz und erntete somit Zeit seines Lebens nur den Erfolg seines proaktiven unternehmerischen Handelns. Dass die Erfolgsstory seines Traditionsunternehmens nach etwas über 130 Jahren im Debakel enden sollte, hätte er wahrscheinlich zu verhindern gewusst - dem nachfolgenden Management hingegen ist das offensichtlich nicht gelungen.

Was war passiert?

Die Antwort liegt auf der Hand, so könnte man meinen. Das Management hat eben die Digitalisierung verpennt: „Analoge Fotografie was yesterday, welcome to the future“ oder: „JPG anstatt Filmrolle, ist doch klar“.

Aber so lief es nicht, es war viel schlimmer. Das Management hatte nicht die Digitalisierung verpennt, es hat sie sehenden Auges ignoriert! Denn die tragische Ironie dieser Story ist, dass das Management den Zug, mit dem es überrollt wurde, selbst in Bewegung setzte. Sie hielten bereits die Zukunft als erster in der Hand: Schon lange vor allen Rivalen waren sie es, die die erste Digitalkamera entwickelten. Doch anstatt sie auszupacken und den Markt neu zu erobern, versetzten sie das gute Stück lieber in den Dornröschenschlaf, um ihr „Core-Business“ mit Fotofilmen nicht zu gefährden. Kann man machen – ist dann halt... Nun ja. Und dann kann es für ein Unternehmen schnell gehen: falscher Fokus, falsche Entscheidung, Feierabend.

 

 

Wie konnte das geschehen?

So kann es eben laufen, wenn das Management unermüdlich an seinem Erfolgsmodell festhält. Die Kunden haben auf den Knopf gedrückt, so wie man es ihnen empfahl, allerdings auf den Stop- und nicht auf den Start-Button. Das passiert, wenn der User aus dem Fokus gerät. Denn die wollten halt keine Filmrollen mehr und anstatt Fotos in ihre Alben zu kleben, lieber mit diesen digital in sozialen Netzwerken unterwegs sein. Schnell ist dann ein unternehmerisches Erfolgsmodell der direkte Weg auf das Abstellgleis.

Was können wir daraus lernen?

Nur weil ein Unternehmen eine Spitzenposition erobert hat, bewegt es sich noch lange nicht in einer Komfortzone, insofern es diese überhaupt noch geben sollte. Das Gegenteil ist meist der Fall. Die Bedrohung nimmt zu. Das Erreichte zu verteidigen wird zum neuen Dauerzustand. Der Um- oder Ausbau des Unternehmens in eine lernende, bewegliche Organisation zur Existenzfrage.

Unternehmen, die in Zeiten, in denen Mitspieler fortwährend Traditionen brechen und altbewährte Geschäftsmodelle attackieren, dennoch scheuklappenartig an ihrem bewährten Kerngeschäft festhalten wollen, werden höchstwahrscheinlich eines Besseren belehrt. Sie wären nicht die Ersten, wie das oben aufgezeigte Beispiel verdeutlicht. Heutzutage gilt es vielmehr, als Unternehmen beweglich zu bleiben, den Markt und seine sich schnell wechselnden Anforderungen nie aus dem Blick zu verlieren und Innovation und Veränderung jeden Tag aufs Neue zu begrüßen. Was dafür nötig ist? Das richtige Mindset!

Ein neuer Managementansatz ist unlängst von Nöten, um als Unternehmen die steigende Komplexität und Schnelligkeit bewältigen zu können, ja sogar sie für sich zu nutzen. Also keine Angst vor Innovation. Keine Angst vor Veränderung! Change happens und das ist auch gut so!

 

Press the button, we can help you!
(Thorsten Faltis)

 


PS.: Wir helfen Ihnen übrigens gerne dabei  🙂


 

 

Thorsten Faltis
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