14. Dezember 2021

Warum wir uns in Zukunft alle mal die Finger verbrennen sollten!

Thorsten Faltis

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Stell dir vor, du musst von jetzt auf gleich einen Fahrgast, dessen Sprache du nicht sprichst, in einem Auto, das du nicht zu beherrschen glaubst, quer durch eine dir unbekannte Metropole, deren Verkehrsregeln du nicht verstehst - weil es keine erkennbaren gibt - befördern. Würdest du dich das trauen? Wahrscheinlich nicht, oder?

Angst oder Lernchance?

Aber warum ist das eigentlich so? Warum haben wir Angst, uns die Finger verbrennen zu können, anstatt eine Herausforderung als Lernchance zu (be)greifen? Es gibt doch sogar Menschen, die gelernt haben, über glühende Kohlen zu laufen, ohne sich die Füße zu verbrennen.

Wir alle wissen: Aus Erfahrung wird man klug! Erfahrungen kann man aber nicht erlernen, sondern man muss sie machen, und am besten nicht nur viele, sondern auch herausfordernde, um dann aus den gewonnen Erfahrungswerten möglichst intensiv, viel und schnell lernen zu können.

Voraussetzung für „Exploratives Lernen“ ist aber, dass wir uns zum einen trauen, Erfahrungen - ggf. auch mal außerhalb der Komfortzone - zu machen und zum anderen, dass wir in der Lage sind, aus dem was wir erfahren, auch das zu lernen, was uns klüger und selbstbewusster macht.

Als Kind hat bestimmt jeder schon mal unfreiwillig auf eine glühende Herdplatte gefasst - und wahrscheinlich deshalb auch nie das Experiment unternommen, zumindest einmal im Leben über glühende Kohlen zu laufen - oder andere Dinge unterlassen, die sie:er meinte nicht kontrollieren zu können. Schade, so verbauen wir uns oft von vorne herein den Weg zu einer wertvollen Erfahrung.

Wir untergraben unsere Neugier

Was wir im Regelfall aus dem unfreiwilligen Kontakt mit der glühenden Herdplatte gelernt haben ist leider nicht, dass Metall ein super Wärmeleiter ist und Kohle eben nicht. Wir lernen Abstand zu nehmen bzw. der Gefahr aus dem Weg zu gehen. Wir lernen aber eben nicht den reflektierten Umgang mit Gefahr, sondern lassen uns von der Angst leiten, die das Erlebnis erzeugt hat, und verbauen uns damit spätere Chancen, etwas Neues zu lernen.

Diese Strategie wird uns allerdings zukünftig nicht wirklich weiter bringen, insofern wir in der Arbeitswelt der Zukunft bestehen wollen. Denn zukünftig wird das Zugreifen auf Lehrbuchwissen sowie das Anreichern von Vorratswissen nicht mehr ausreichen. Nein, da werden wir uns hier und da auch mal die Finger oder sogar die Füße verbrennen müssen.

Warum? Weil insbesondere vor dem Hintergrund zu-nehmender Digitalisierung Veränderungen zur Tagesordnung gehören, Unvorhersehbares sehr schnell erfolgen und Wissen zunehmend schneller verfallen wird. 

Damit einhergehend wird dann die Ausübung von Berufen und den damit verbundenen Tätigkeiten, insbesondere von solchen, von denen wir heute noch gar nicht wissen, dass es sie morgen geben wird, allein durch ein Studium, eine Ausbildung oder einstudierte Lehrbuchtaktiken nicht mehr zu bewältigen sein.

Kurzum: Bestehendes Wissen regelmäßig durch Ausprobieren zu überprüfen, anzureichern und auch durch aktuelles zu ersetzen, wird entscheidend für das Überleben in der Wissensgesellschaft von morgen sein.

Um den damit verbundenen Herausforderungen gerecht werden zu können bedarf es aber einer angstfreien und offenen Lernbereitschaft in einer offenen und angstfreien Unternehmenskultur, in der kollektiver Erfahrungsaustausch und Feedback zugelassen und gefördert wird, es gewünscht ist, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und vor allem gestattet ist, Fehler machen zu dürfen, damit die gewonnen individuellen Lernkompetenzen im Sinne der Organisation entfaltet und entwickelt werden können.

Und wenn das gegeben ist, davon bin ich überzeugt, werden wir unsere anfangs getroffene Entscheidung wahrscheinlich noch einmal überdenken, denn so risikobehaftet ist die doch gar nicht, oder?

 

Thorsten Faltis
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